Der Schützenverein „Zur grünen Au Oberisling“
Ist mit seinen gut 150 Mitgliedern aus dem Dorfgeschehen nicht mehr wegzudenken. Einerseits ein Sportverein, genauso aber eine Gemeinschaft, die aus der Tradition heraus mit der und für die Dorfgemeinschaft lebt. Hier lohnt sich ein Blick zurück auf fast hundert Jahre.
Die Gründerzeit
Als die „Grüne Au“ gegründet wurde, gab es in Oberisling außer der Feuerwehr noch gar keinen Verein. 1929, mitten in einer schlechten, oft armseligen Zeit, war offenbar die Sehnsucht nach Geselligkeit groß; so kamen am 27. Oktober 28 Oberislinger zusammen und riefen einen Schützenverein ins Leben. Nach dem Wiesental des Islinger Mühlbachs nannten sie ihn „Grüne Au“. In dem original erhaltenen Gründungsprotokoll schließt nach der Auflistung der Mitglieder der Text: „Wir wünschen dem erst begonnenen Unternehmen fröhliches Gedeihen und langes Bestehen.“ Zwei Wochen darauf genehmigte die Gemeinde Oberisling, damals natürlich noch selbstständig, den Verein mit Siegel und Unterschrift des Bürgermeisters Andreas Biederer. Geschossen wurde mit dem Zimmerstutzen auf die 6er-Ringscheibe. Drei Schuss kosteten 30 Pfennig, wovon für jeden erzielten Ring ein Pfennig abgezogen wurde. Scheibenzüge gab es noch nicht. Neben der Zielscheibe saß der Zieler in einem Blechhäusl, aus dem heraus er an einer Tafel die erreichte Ringzahl anzeigte. Einen eigenen Schießstand kannte man noch nicht: Das Gastzimmer des damals noch stehenden Riegerwirts wurde dafür genutzt. Im Fasching wurde regelmäßig ein Strohschießen abgehalten, im März das Endschießen, bei dem der Gewinner die Josefscheibe erhielt. „Endschießen“ deshalb, weil das Schießjahr nur von Mitte Oktober bis März dauerte. Viele Schützen hatten nämlich im Sommerhalbjahr kaum Zeit und Interesse, da sie in der Landwirtschaft tätig waren. Bald freilich kam der nächste Krieg, der auch unter den Schützen seine Opfer forderte: Weil im Schießjahr 1942/1943 nur mehr zwölf Schützenbrüder da waren, wurde der Schießbetrieb eingestellt.
Neuanfang und Fahnenweihe
Die Wiedergründung begingen 28 Islinger Schützen 1951, ebenfalls am 27. Oktober. Beibehalten wurde der Mittwoch als Schusstag, der Verein schloss sich dem Kreisschützenverband Donaugau an, 1956 der neuen Sektion „Reill“. Kurz vorher wurde mit knapp hundert Mark in der Kasse ein erster Scheibenzug gekauft, womit der „teure“ Zieler im Blechhäusl arbeitslos war. 1960 war der Verein „reif“ für eine Fahnenweihe; der Gottesdienst wurde hinter der Martinskirche gefeiert. Der Zelebrant Matthias Roller war selber Vereinsmitglied. „Aufs Ziel fest schauen und Gott vertrauen“ mahnt die Fahne. Das Bierzelt vom Prößl Heiner – ebenfalls Vereinsmitglied – stand im Schmidlhof. Die sechziger Jahre waren gekennzeichnet von sportlichen Erfolgen, aber auch vom Neubau des Vereinswirts: Seit 1968 haben die Schützen sechs Stände im Keller, die auch lange von „Buchenau“ Leoprechting genutzt wurden. Der Stand wurde stetig modernisiert, sodass heute sechs elektronische Stände zur Verfügung stehen. Der letzte Schuss auf Papierstreifen fiel vor der Sommerpause 2019. Das Schützenstüberl daneben dient als Aufenthaltsraum, für Besprechungen, aber auch traditionell als Bar für diverse Bälle. Nach langen Jahren von Rupert Schroll als Schützenmeister führte Christian Stadler den Verein; unter seiner Regie wurden die ersten Kontakte mit der Schützenkompanie „Bartlmä von Guggenberg“ im Südtiroler Pustertal geknüpft. Die freundschaftliche Verbindung hält seit einem halben Jahrhundert bis heute. Und die Damen im Verein? Die erste Schützenschwester war Burgl Rieger; die Schwester des Vereinswirts trat 1954 bei, bald ihre Cousine Irene Weikl. In den Siebzigern kamen etliche Mädchen dazu, sie erhielten auch eine eigene Lieslkette. Einen Jugendkönig gab es erstmals 1975.
Neue Tracht, Stutzen und Böller
In dieser Zeit bereitete man sich langsam auf das 50-jährige Gründungsfest vor. Sportlich und gesellschaftlich konnte sich die Grüne Au überall sehen lassen, was durch ein prächtiges Fest 1979 auch belohnt wurde. Seitdem sind die Schützen auch ein optischer Blickfang: Als einer der ersten Schützenvereine waren sie so mutig, sich eine farbenprächtige Oberpfälzer Tracht zuzulegen und damit aus dem bis dahin üblichen Grau und Grün herauszustechen. Schirmherr war OB Friedrich Viehbacher, der in seiner Ansprache den Satz von der „Ortschaft in Regensburg“ prägte, weil er von der funktionierenden Dorfgemeinschaft fasziniert war und an deren Beibehaltung appellierte. In den 1980er Jahren, jetzt mit Rudi Aigner als Schützenmeister, gab es eine „narrisch schöne“ Zeit, daheim in Oberisling wie bei Auswärtsbesuchen. Der Zimmerstutzen wurde mit Hilfe der Scharmassinger Weidtal-Schützen wieder eingeführt, langsam kam die Luftpistole hinzu. Die Böllerschützen gibt es seit 1989. Sie kann man nicht nur an Fronleichnam, Volkstrauertag oder besonderen Festtagen hören; sie haben das Jahr der Bayern 2000 angeschossen, Bischof Manfred Müller zum 75. oder OB Hans Schaidinger zum 60. gratuliert – mitten in der Stadt. Bei der Eröffnung der Frühjahrsdult sind sie seit vielen Jahren obligatorisch. Natürlich ertönt ihr Salut, wenn der Kirtabaum steht. Den Islinger Kirta, der Ende der 1960er eingestellt wurde, hat die Grüne Au wiederbelebt. Die Schützen haben immer mehr erkannt, wie notwendig eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft ist. So gilt es ständig, sich mit den anderen Vereinen abzusprechen, sich gegenseitig zu helfen und gemeinsame Veranstaltungen zu bestreiten. Bei zahlreichen Dorffesten, Besuchen von Gründungsfesten und überhaupt im Dorfleben zeigen die Schützen somit eine fröhliche Geschlossenheit, durchaus als Partner der anderen Vereine. Den Ehrenabend, möglichst nah am Gründungstag 27. Oktober, gibt es seit vielen Jahren; hier werden nach einer Schützenmesse verdiente Kameraden in gemütlicher Runde geehrt. Nikolaus, Christbaumversteigerung, Ausflüge und der wöchentliche Schuss- und damit Gesellschaftstag gehören traditionell zum Programm. Als man König Ludwig I. wieder am Domplatz aufgestellt hatte, wurde er auch von der Grünen Au begleitet.
Im Verein waren stets die beiden Standbeine wichtig: sportliche Ambitionen und ein abwechslungsreiches Gesellschaftsleben. Das drückt sich auch im Motto für die Fahnenweihe 2004 aus: „Sport, Tradition, Geselligkeit halten uns zusammen allezeit“ steht auf der neuen Fahne. Mit Robert Aukofer, Schützenmeister bis 2018, feierten die Schützen ein prächtiges Fest, von dem der Verein, die Islinger Dorfgemeinschaft und viele Gäste noch lange schwärmten. Schirmherr war OB Hans Schaidinger, Patenverein „Stilles Tal“ Graß. Pfarrer Giehrl segnete die neue Fahne, auf der die beiden Kirchen, aber auch das neu geschaffene Oberislinger Wappen zu bewundern sind.
Gut aufgelegt in die Zukunft
Im neuen Jahrtausend hatte die Grüne Au nach dem Tod von Hermann Rieger mehrere Vereinswirte. In Südtirol durften die Islinger Böllerschützen erstmals 2011 schießen; im nächsten Jahr wurde die 40-jährige Freundschaft mit Vintl gefeiert. Als 2020 Covid alles durcheinanderbrachte, hielten sich die Schützen an die strengen Vorschriften, ließen sich aber vom Vereinsleben nicht abhalten: Mit Abstand, in kleinen Gruppen, mit Desinfektion, Nikolaus im Freien und Nachrichten per E-Mail überbrückte man die schlimmen Monate. In Zeiten, in denen es immer schwieriger ist, Führungskräfte zu finden, stellten sich Caro Merz und Florian Danner dieser Verantwortung. Die erfolgreichen Disziplinen sind nun der Zimmerstutzen und Luftgewehr mit Auflage. Diese Art zu schießen hielt nicht nur einige vom Ende ihrer sportlichen Aktivität ab, sondern holte sogar manche aus ihrer Schützenrente zurück. Luftpistole mit Auflage kam dazu. So sind die Grüne-Au-Schützen sportlich bunt gemischt, mit den Stammtischen der Damen und Böllerschützen, dem Programm für die Jugend (vereinsintern und mit der Sektion) und den diversen Veranstaltungen im Jahreslauf lockt ein attraktives Vereinsleben. Jederzeit ist man offen für Neue: am Schießstand, jeden Mittwoch am Stammtisch oder einfach in der Dorfgemeinschaft.
Archivaufnahmen
Unsere Archivaufnahmen erzählen die Geschichte unseres Schützenvereins – von vergangenen Schützenfesten bis hin zu unvergesslichen Vereinsmomenten.
Sie zeigen nicht nur Tradition und Brauchtum, sondern auch den Zusammenhalt und die Gemeinschaft, die unseren Verein seit Generationen prägen.
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